Was ist Hand in Huf - Reittherapie?

Hand in Huf – Reittherapie ist eine ganzheitliche und individuelle Förderung mit und auf dem Pferd. Die Reittherapie beginnt schon am Boden, das Pflegen und Vorbereiten des Pferdes gehört genauso zur therapeutischen Behandlung, wie das Sitzen, Reiten und Entspannen auf dem Pferd. Die Arbeit am Boden ist ein wichtiger Bestandteil der Reittherapie, sie fördert vor allem die Wahrnehmung und die sozialen Fähigkeiten und ist Voraussetzung für den Beziehungsaufbau zwischen Pferd und Mensch. Der respektvolle und vertraute Umgang miteinander ist wichtig, damit der Klient auf dem Pferd loslassen und sich auf die verschiedenen Übungen mit dem Pferd einlassen kann.

Reittherapie wirkt vielschichtig

Verbesserung des Selbstwertgefühls und des Selbstvertrauens

Das Pferd erreicht den Menschen nicht über den Kopf/ den Verstand, sondern über das Gefühl, das Unbewusste.

Erlernen von angemessenen Verhaltensweisen, Kontakt- und Konfliktfähigkeit, Empathie

Das Aufbauen von Vertrauen und Respekt gilt als Basis für die Freundschaft mit dem Pferd. Durch die Kontaktaufnahme und dem Umgang mit dem Pferd können negative Verhaltensweisen wieder abgelegt werden.

Verbesserung der sozial-emotionalen Verfassung

Das Pferd steht symbolisch und praktisch als Ausdruck von Kraft und Lebensenergie. Der Umgang mit dem Pferd stellt eine wichtige Ressource dar und der Aufforderungscharakter hilft dem Menschen, aus seiner Passivität in eine Aktivität zu gelangen.

Positive Wirkung auf Körperhaltung, Muskeltonus und das Gleichgewicht

Ein großer Effekt entsteht bei der Reittherapie in der Ausgangsstellung, dem Reitsitz. Er wirkt sich positiv auf die Körperhaltung aus. Die dreidimensionale Bewegung des Pferdes lockert zudem die Muskulatur und fördert das Gleichgewicht.

Förderung bei Entwicklungsverzögerungen

Durch die individuelle Zielsetzung können Entwicklungsverzögerungen in allen Bereichen gefördert werden. Hierbei werden bestimmte Reitweisen und Spiele eingesetzt.

Stressreduktion und Entspannung

Mit verschiedenen Sinnen kann der Klient den Körper des Pferdes kennenlernen und so im direkten Körperkontakt mit dem Pferd Vertrauen entwickeln sowie Wärme, Nähe und Geborgenheit zulassen und erleben lernen.

Verbesserung der Aufmerksamkeit und Konzentration

Das reittherapeutische Setting bietet Orientierung, eine ruhige Atmosphäre und eine zeitliche Struktur, welche sowohl Aufmerksamkeit als auch Konzentration beeinflussen.

Reduzierung von Ängsten und Aggressionen

Die Reittherapie beginnt langsam, kontrolliert, geduldig und sensibel. Zunächst steht die Kontaktaufnahme mit dem Pferd zur Bildung des Vertrauens und der Wahrnehmung im Vordergrund.

Förderung der Körperwahrnehmung und des Körperbewusstseins

Die körperorientierten Aktivitäten helfen, die Körperwahrnehmung zu verbessern und das Erleben von Ganzheit zu ermöglichen.

Wen kann die Reittherapie unterstützen?

Sven, 7 Jahre alt

„Sven leidet unter den Folgen einer MCD (minimal cerebrale Dysfunktion), was sich in übergroßer Unruhe und einem unkoordinierten Verhalten ausdrückt. In den vergangen Jahren musste er mehrmals im Krankenhaus behandelt werden, da er sich beim Stürzen wiederholt Gehirnerschütterungen zugezogen hatte. In einem manchmal zweifelhaften Aktionismus bemüht er sich um die Anerkennung, die seinem zwei Jahre älteren Bruder so leicht zuzufallen scheint.
Sven reitet seit zwei Jahren. Er überrascht seine Eltern durch seinen einfühlsamen Umgang mit dem Pferd. Eine Stärke, die Sven entdecken konnte, als ihm das erste Mal ganz alleine die Verantwortung für sein Pferd zugetraut wurde. In seinem Alltag ist er mit anderen Erfahrungen konfrontiert. Hier werden ihm verantwortliche Aufgaben aufgrund seines manchmal chaotischen Auftretens oft wieder entzogen.“ (Schörle, Armgard, Pferde Träume, Buch & Bild Verlag 2011)

Julia, 14 Jahre

„Im Alter von 11 Jahren hatte Julia zweimal versucht, sich das Leben zu nehmen Ihre damalige Familiensituation mit dem alkoholkranken Vater war für sie so belastend, dass sie zu diesem Zeitpunkt keinen anderen Ausweg sah. Julia litt darunter, dass sie weder bei ihrer Mutter, noch bei Freunden den notwendigen Rückhalt finden konnte. Julias Motivation, reiten zu lernen, entsteht aus dem Wunsch heraus, „mit ihrem Pferd zusammen über die Wiesen fliegen zu können“. Die Kraft, die in diesem Wunsch spürbar wird, hilft Julia, ihre tiefsitzende Unsicherheit zu überwinden. Julia neigte dazu, zwischenmenschliche Kontakte immer wieder abzubrechen. Mit dem Pferd konnte sie die Erfahrung machen, dass sie fähig ist, Kontakt aufzunehmen und ihn zu erhalten. Sie konnte sich dadurch selbst auf eine neue Art erleben.“ (Schörle, Armgard, Pferde Träume, Buch & Bild Verlag 2011)

Für Kinder, Jugendliche und Erwachsene

– Kinder mit Entwicklungsverzögerungen
– Lernbehinderungen
– Herabgesetze Motivation
– Verhaltensschwierigkeiten (auch AD(H)S)
– Emotionale Störungen
– Wahrnehmungsstörungen
– Schwierigkeiten im Sozialverhalten
– Konzentrationsstörungen
– Essstörungen
– Motorische Entwicklungsstörungen
– Sprach- und Sprechstörungen
– Ängste
– Körperliche und geistige Behinderungen
– Neurologische Erkrankungen (z.B. Spina bifida, Querschnittslähmungen)
– und andere

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